Theodor Fontane und das große Versäumnis: Päwesin bleibt unerwandert
Von allen Orten, die Theodor Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ durchstreifte, fehlt ausgerechnet einer: Päwesin. Ein kleiner Ort im Havelland, der mit stiller Schönheit, märkischer Tiefe und einer Prise Melancholie alles bietet, was Fontane liebte – und doch: kein Wort, keine Silbe, kein Seitenblick. Wie konnte das passieren?
Fontanes kartografische Lücke
Theodor Fontane war ein Meister der Beobachtung. In seinen Wanderungen (zwischen 1862 und 1889 veröffentlicht) verknüpfte er Geschichte, Landschaft und Anekdoten zu einem bis heute lebendigen Panorama Brandenburgs. Er war im Ruppiner Land, in der Ostprignitz, in der Zauche, im Oderbruch – aber nicht in Päwesin.
Und das ist ein Skandal. Oder wenigstens ein kulturlandschaftliches Kuriosum.
Was Fontane verpasst hat
Päwesin liegt malerisch am Beetzsee, umgeben von Feldern, Wald und Wasser – ein Ort, wie gemacht für einen Fontane’schen Spaziergang, mit historischen Kirchen, alten Höfen und einer Atmosphäre, die förmlich nach Reflexion riecht. Hier hätte er Rätsel entdecken können, Geschichten von Mönchen, Müllermeistern oder märkischen Originalen – genau das, wovon seine Wanderungen leben.
Man fragt sich unwillkürlich: Hatte er einen Kompassfehler? Ein Pferd mit Abneigung gegen die westliche Havellandschaft? Oder war es schlicht Ignoranz?
Zeit für eine Nachwanderung
Vielleicht ist es an uns, diese Lücke zu schließen. Päwesin wartet darauf, literarisch gesehen zu werden. Ein Essay, ein Roman, ein Gedichtband: Irgendjemand muss das nachholen, was Fontane versäumt hat.